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Psychologisches Coaching vs. Psychotherapie: Die 5 wichtigsten Unterschiede

Wenn Du auf der Suche bist nach professioneller Unterstützung bei einem persönlichen Problem oder bei einem Veränderungswunsch, fragst Du Dich womöglich, welche Art der Begleitung für Dich die Richtige ist. Solltest Du ein Coaching machen oder wäre eine Psychotherapie sinnvoller? Aber was genau ist eigentlich psychologisches Coaching und worin unterscheidet es sich von einer Psychotherapie?


In diesem Artikel 

  • beschreibe ich die Hauptmerkmale von psychologischem Coaching und von Psychotherapie 

  • zeige ich Dir die wichtigsten Unterschiede zwischen psychologischem Coaching und Psychotherapie 


Diese Informationen sollen Dir dabei helfen, zu entscheiden, welche Art der psychologischen Unterstützung am Besten zu Dir und Deiner Situation passt.


Das Ziel beider Verfahren: Nachhaltige Unterstützung 

Ich möchte festhalten, dass keines der beiden Verfahren wirksamer oder empfehlenswerter ist als das andere. Vielmehr ist es abhängig von der Art und Schwere Deines Anliegens und von Deinem Befinden, ob ein Coaching oder eine Psychotherapie Dich besser unterstützen kann. Dazu spielen auch ganz praktische Faktoren wie Deine zeitlichen und finanziellen Ressourcen eine Rolle bei Deiner Entscheidung. Bevor wir näher auf die Merkmale und Unterschiede von psychologischem Coaching und Psychotherapie eingehen, beginnen wir mit der grossen Gemeinsamkeit: Sowohl Coaching als auch Therapie helfen Menschen dabei, persönliche Herausforderungen zu bewältigen und sie auf der Suche nach Lösungen für ihre Probleme zu unterstützen. Beide streben eine nachhaltige positive Veränderung auf Ebene der Emotionen, Gedanken und des Verhaltens an. 

 

Psychologisches Coaching für nachhaltige Unterstützung
Kopf hoch! Bild: Michaela Röllin

Was ist psychologisches Coaching? 

Coaching ist eine Form der psychologischen Beratung, welche die Klienten beim Erreichen ihrer persönlichen Ziele im Berufs- und Privatleben unterstützt. Es besteht aus einer Kombination aus individueller Beratung und aufgabenbezogenem Training. Oft geht es um Veränderungsprozesse wie schwierige Aufgaben oder belastende Probleme. Coaching ist Hilfe zur Selbsthilfe. Es unterstützt das Finden von individuellen Lösungen und fördert die persönliche Weiterentwicklung.  


Im Gegensatz zu anderen Coachingrichtungen wird psychologisches Coaching vorwiegend von PsychologInnen angeboten. Durch ihr grosses Fachwissen in Psychologie und verwandten Wissenschaften wie der Neurobiologie sowie durch ihre Berufserfahrung unterstützen Dich psychologische Coaches mit vielfältigen, wissenschaftlich fundierten und erprobten Methoden. Zusätzlich zum Psychologiestudium verfügen psychologische Coaches in den meisten Fällen über eine solide Coachingausbildung. 



Was ist psychologisches Coaching?
You got this! Bild: Sidney Rae - Unsplash

1. Art und Schwere des Problems

Der Hauptunterschied zwischen psychologischem Coaching (das von Psycholog*innen durchgeführt wird) und Psychotherapie (die von Psychotherapeut*innen durchgeführt wird) besteht im Wesentlichen in der Schwere und Art der Probleme sowie der Dauer der Beratung/Therapie. 


Psychologisches Coaching 

Beim psychologischen Coaching handelt es sich im Allgemeinen um eine kurzfristige professionelle Unterstützung in schwierigen Lebenssituationen zur Lösung bestimmter Probleme. Die Coaches (in der Regel Psycholog*innen) arbeiten mit gesunden Personen, die einen Leidensdruck verspüren und präventiv etwas an ihrer Situation ändern möchten, um damit ihr Wohlbefinden zu verbessern. Im psychologischen Coaching steht oft die persönliche und berufliche Entwicklung im Vordergrund. Coaches unterstützen Menschen dabei, ihre Ziele zu definieren, Fähigkeiten zu entwickeln und ihr volles Potenzial auszuschöpfen. Coaching ist Hilfe zur Selbsthilfe. Das heisst, dass Coachees darin unterstützt werden, eigene Lösungen für ihre Probleme zu entwickeln und Hindernisse zu überwinden. 

 

Psychotherapie 

Bei der Psychotherapie handelt es sich in der Regel um eine längerfristige Behandlung für Menschen mit einer psychischen Erkrankung, traumatischen Erfahrungen oder tieferliegenden emotionalen Problemen. Psychotherapeut*Innen diagnostizieren und behandeln also psychische Gesundheitsprobleme mit Krankheitswert, welche die Betroffenen in den Aktivitäten ihres täglichen Lebens stark beeinträchtigen. 

 


2. Vorgehen und Methoden


Psychologisches Coaching  

Die Grundeinstellung im Coaching ist ressourcenorientiert. Coaches gehen davon aus, dass ihre Coachees die Lösungen für ihre Probleme bereits in sich tragen und diese nur mit Hilfe der geeigneten Impulse herausgekitzelt werden müssen. Im Coaching liegt der Fokus darauf, die Gegenwart und die Zukunft zu gestalten. Die Coachees werden darin unterstützt, Ziele zu definieren und Wege zu entwickeln, diese mit ihren Fähigkeiten und Ressourcen zu erreichen. 

Psychologische Coaches nutzen eine breite Palette an Coaching-Methoden, um Coachees bei der Selbstreflexion unterstützen. Sie wenden beispielsweise Methoden aus der positiven und humanistischen Psychologie und der klientenzentrierten Gesprächsführung, Mentaltechniken aus der Sportpsychologie oder dem Neurolinguistischen Programmieren an. Teilweise nutzen psychologische Coaches auch Methoden und Modelle aus verschiedenen Psychotherapierichtungen wie z.B. der Verhaltenstherapie, da deren Wirksamkeit wissenschaftlich gut belegt ist. In einem Coaching begegnen sich Coaches und Coachees auf Augenhöhe. Die Coachees werden als Experten für ihre Probleme gesehen. Die gezielten Impulse der Coaches helfen ihnen dabei, weitestgehend selbstständig eine Lösung zu finden. 

 

Psychotherapie 

Zu Beginn einer Psychotherapie wird nach den ersten Sitzungen eine Diagnose gestellt. Sie bestimmt die Art der Behandlung und gibt den therapeutischen Weg vor. Es liegt also ein Defizit vor, das eine anhand von gezielten Methoden behandelt werden soll. In der Psychotherapie blickt man oft in die Vergangenheit zurück, um herauszufinden, welche negative Prägungen und destruktive Denkmuster beim Patienten bestehen und wie diese entstanden sind. Diese negativen Erfahrungen werden dann aufgearbeitet, so dass der Patient seine Gegenwart und Zukunft wie im Coaching bewusst positiv verändern kann. 

Psychotherapeuten verwenden verschiedene therapeutische Ansätze und Techniken, um emotionale und psychische Probleme zu behandeln. Es gibt vier grosse wissenschaftlich anerkannte Psychotherapie-Richtungen: Verhaltenstherapie, Systemische Therapie, Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie und Analytische Psychotherapie (Psychoanalyse). Jede der Therapieformen verfügt über ihre eigenen Methoden. 

In der Psychotherapie entsteht eine Hierarchie zwischen TherapeutIn und Patient. Die erkrankte Person lässt sich von der PsychotherapeutIn anleiten. Diese verfügt über ein Konzept dazu, wie eine bestimmte psychische Erkrankung behandelt werden kann. 

 


3. Qualifikation


Psychologisches Coaching 

Coaches können verschiedene berufliche Hintergründe haben, einschließlich Psychologie, Sozialwissenschaften, Wirtschaft oder Personalentwicklung. Leider ist “Coach” keine geschützte Berufsbezeichnung und es gibt keine einheitliche Regulierung des Coachingberufs. Professionelle Coaches verfügen in der Regel über ein Zertifikat einer anerkannten Coaching-Organisation. 

Mehr dazu, wie Du seriöse Coaches erkennen kannst, findest Du in diesem Artikel.

In der Regel verfügen psychologische Coaches (Coachingpsychologinnen) über ein abgeschlossenes  Psychologiestudium (Master) an einer Universität sowie über eine anerkannte Coachingausbildung von mindestens 200 Stunden. 

 

Psychotherapie 

Eine Psychotherapie wird von ÄrztInnen (PsychiaterInnen) oder PsychotherapeutInnen durchgeführt. Psychotherapeuten haben in der Regel einen akademischen Hintergrund, das heisst ein Psychologiestudium und eine mehrjährige Weiterbildung in Psychotherapie. Anders als Coaching ist “PsychotherapeutIn” eine gesetzlich geschützte Berufsbezeichnung. Nur wer über die entsprechende Ausbildung und Akkredition in Psychotherapie verfügt, darf sich „PsychotherapeutIn“ nennen und Patienten behandeln. 

Kleiner Exkurs: Eine PsychologIn ist nicht gleichzusetzen mit einer PsychotherapeutIn. Eine Psychologin verfügt über ein Masterstudium in Psychologie. Neben der klinischen Psychologie, die sich mit psychischen Erkrankungen beschäftigt, noch viele weitere Fachrichtungen wie Arbeits- und Organisationspsychologie, Sozialpsychologie, Gesundheitspsychologie, Neuropsychologie usw. Eine Psychotherapeutin hat zusätzlich zum Psychologiestudium mit Vertiefung in klinischer Psychologie eine mehrjährige Weiterbildung in Psychotherapie absolviert. Psychologische PsychotherapeutInnen sind also PsychologInnen mit einer Zusatzausbildung in Psychotherapie. 

 


4. Dauer


Psychologisches Coaching 

Bei Coaching handelt es sich um Kurzzeitberatung. Die Dauer des Coachings variiert je nach Thema, Zeit und Ressourcen der Coachees von einigen wenigen Sitzungen (manchmal sogar nur eine einmalige) bis zu einer Begleitung über mehrere Monate hinweg, dann jedoch in tiefer Frequenz (z.B. alle 2-4 Wochen). Mehr dazu, wie ich meine Sitzungen gestalte, erfährst Du hier: 

 

Psychotherapie 

Wie lange eine Psychotherapie dauert, ist abhängig von der Schwere und Dauer der Erkrankung sowie der Therapiemethode. Du solltest Dich aber auf eine langfristige Behandlungsdauer von mehreren Monaten einstellen. Wenn es sich um die Behandlung einer schwerwiegenden psychischen Erkrankung handelt, kann die Therapie Jahre dauern. Eine Kurzzeittherapie besteht aus 12 aufeinanderfolgenden, wöchentlichen Sitzungen, eine Langzeittherapie aus bis zu 60 Therapiestunden. 

 


5. Kosten


Psychologisches Coaching 

Die Kosten für ein Coaching werden grundsätzlich nicht von der Krankenkasse übernommen und müssen vom Coachee selbst bezahlt werden. In der Schweiz wird die psychologische Beratung von FSP-zertifizierten PsychologInnen wird von manchen Zusatzversicherungen teilweise übernommen. 

 

Psychotherapie  

Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten für eine die Psychotherapie. 

 


Fazit 

Wie Du siehst, gibt es Überschneidungen zwischen psychologischem Coaching und Psychotherapie, jedoch unterscheiden sie sich klar durch den Schweregrad der Probleme, bei denen sie unterstützen. Hier nochmals die wichtigsten Unterschieden zwischen psychologischem Coaching und Psychotherapie in der Übersicht: 


Unterschiede zwischen Psychologischem Coaching und Psychotherapie
Psychologisches Coaching vs. Psychotherapie. Bild: Michaela Röllin

Wenn Du weiterhin unsicher bist, welche Art der Unterstützung Dir am ehesten entspricht, habe ich zwei Tipps für Dich:


Tipp 1

Mache den kostenlosen Selbsttest* zu Deiner allgemeinen psychischen Gesundheit. Beantworte 5 Fragen und erhalte sofort eine Einschätzung zur Gefährdung Deiner psychischen Gesundheit. Je höher das Testergebnis, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit für das Vorliegen einer oder mehrerer psychischer Erkrankungen. Bei einem hohen Testergebnis solltest Du eher eine Psychotherapie in Erwägung ziehen.



Tipp 2

Für viele Menschen ist die Hemmschwelle, eine CoachIn zu kontaktieren, kleiner, als sich in einer psychotherapeutischen Praxis zu melden. Die meisten Coaches bieten ein kostenloses Kennenlerngespräch an, bei dem Du Dein Anliegen schildern und Dir einen ersten Eindruck von der Persönlichkeit und der Arbeitsweise der CoachIn machen kannst. Nutze diese Möglichkeit! Informiere Dich im Netz über verschiedene Coaches und deren Schwerpunkte. Kontaktiere eine CoachIn, deren Auftritt Dir sympathisch ist oder - noch besser - die Dir empfohlen wurde. Eine professionelle psychologische CoachIn wird Dir am Ende des Gesprächs sagen, ob sie Dich bei Deinem Anliegen unterstützen kann oder ob Du mit Deinem Problem in einer Psychotherapie besser aufgehoben bist.

Du möchtest meine Einschätzung zu Deinem Problem? Hier geht's zum kostenlosen Kennenlerngespräch.



*Das Mental Health Inventory gehört zum Standardverfahren für die Erfassung der allgemeinen psychischen Gesundheit in epidemiologischen Studien.

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